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Vom Blutgruppentest zum DNA Test - so funktioniert ein Vaterschaftstest heute

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Ein historischer Überblick über die Entwicklung der DNA-Analyse

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Dr. Barbara Wimmer

Wie aus dem Gesicht geschnitten

Zugebenermaßen gibt es Fälle, bei denen ein Vaterschaftstest völlig überflüssig erscheint, so groß ist die Ähnlichkeit zwischen Kind und Vater. In der Tat gibt es erbliche Merkmale wie die Form und Größe der Ohren die früher zu einem Nachweis für einen Vaterschaftstest herangezogen wurden. Da aber solche äußerlichen Merkmale auch bei völlig Unverwandten sehr ähnlich ausfallen, ist eine sichere Aussage so nicht möglich.

Blutgruppenanalytik

Große Fortschritte brachte das vom Wiener Forscher Karl Landsteiner 1901 entdeckte AB0-Blutgruppensystem, welches 1927 auch erstmals Anwendung in einem gerichtlichen Vaterschaftsprozess fand. Die Blutgruppen A,B und 0 werden unabhängig voneinander vererbt. Hat die Mutter die Blutgruppe 0 und der Vater die Blutgruppe 0, dann hat das Kind auch die Blutgruppe 0. Hat das Kind aber die Blutgruppe A0, dann kann es nicht das leibliche Kind sein. Allerdings ist auch dies nur ein grober Test, denn die Blutgruppe A beispielsweise haben ca. 43% aller Deutschen. Hat das Kind also die Blutgruppe A(A), und dann kommen theoretisch eine große Anzahl von Personen als Väter in Frage und man kann keine Unterscheidung vornehmen.

Der genetische Fingerabdruck

Auf dem Weg zum heutigen Verfahren für Vaterschaftstests drang man tiefer in den Organismus ein und bis zum Zellkern vor.  Die darin enthaltenen Erbinformation, die Desoxyribonukleinsäure - kurz DNS- wurde das Werkzeug der Wahl. Die ersten Verfahren waren allerdings sehr aufwendig (wie z.B. sogenannte Restriktions-Fragment-Längen-Polymorphismen) und man benötigte wesentlich mehr Zellmaterial. Die jetzigen Methoden kommen mit nur wenigen Zellen aus. Ein Backenabrieb liefert so mehr genügend Material für einen Test.

Zwei entscheidende Entdeckungen haben zum modernen Vaterschaftstest beigetragen. Die der Entwicklung der Polymerasekettenreaktion (PCR), mit der man Teile eines Genoms vervielfältigen kann  und die Entdeckung von sogenannten "Simple Sequnce Repeats" (SSR).

Die SSR-Methode wurde TAUTZ & RENZ (1984) entwickelt und ermöglicht den genetischen Fingerabdruck einer Person zu erstellen. Damit kann jeder Mensch eindeutig erkannt werden (Ausnahme: die genetische Unterscheidung eineiiger Zwillinge).

Diethard Tautz entdeckte in seiner Doktorarbeit an der Taufliege (wissenschaftl.:Drosophila melanogaster) das Vorkommen von einfachen, kurzen sich wiederholenden DNA-Sequenzeinheiten  wie z. B. (GT) oder (TAA), sie werden auch Mikrosatelliten genannt. Die Anzahl der Wiederholungseinheiten und damit die Länge der Sequenz unterscheiden sich zwischen den Individuen. Diese Wiederholungseinheiten befinden sich in sogenannten nicht-kodierenden Bereichen der DNA. D.h. in Abschnitten, die scheinbar keine wichtige Funktion für den Organismus besitzen. Deshalb können diese Bereiche so unterschiedlich zwischen den Individuen sein, da Mutationen in diesen Bereichen keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf das Lebewesen haben.

Das Kind erhält ein Merkmal von der Mutter und eines vom Vater. Insgesamt werden 21 verschiedene Orte im Genom untersucht. Diese Orte nennt man auch Marker oder Locus. Über alle untersuchten Loci wird eine Vaterschaftswahrscheinlichkeit errechnet. Für den Wahrscheinlichkeitswert gibt es "verbales Prädikat nach Hummel". Erreicht man einen Wahrscheinlichkeitswert ab 99,73% spricht man davon, dass die Vaterschaft praktisch erwiesen ist. Bei 99,0% spricht man von "höchst wahrscheinlich", bei 95% von "sehr wahrscheinlich" und bei 90% von "wahrscheinlich". In den meisten Fällen, in denen Mutter, Vater und Kind getestet werden erreicht man Werte über  99,9 %.

Somit ist diese Methode der derzeit zuverlässigste Test zur Überprüfung einer Vaterschaft. Aber bei eineiigen Zwillingen hilft sie nicht, da diese in allen Loci identisch sind. Auch dafür gibt es aber mittlerweile ein neues, allerdings noch sehr aufwendiges und kostenintensives Testverfahren. Bedenkt man die rasante Entwicklung in diesem Bereich, ist anzunehmen, dass in nicht allzu weiter Zukunft hier ebenfalls ein kostengünstiges, schnelles Verfahren entwickelt wird.